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Als ich in die Kniebeuge sank, ging es mir schlagartig auf. Das war die Lösung! Demut. In diesem wie Schmerz leicht ziehenden Gefühl, das so etwas Befreiendes hat, lag die Lösung.

Warum? Ja, ich weiss warum.

Weil da unten auf dem Boden Jesus plötzlich so unglaublich real wurde. Das Unten schien Sein Gebiet zu sein. Da war ich Ihm nahe. Und Er wurde mir nahe in einer schier fassbaren Art und Weise.

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Am Freitag betrat ich ein  w u n d e r s c h ö n e s  Blumengeschäft in Amriswil am Bodensee. Da gab es Adventliches nicht mal unbedingt in allen Farben, sondern es hatte so etwas schönes Monochromes an sich. Zum ganz langsam Herumstaunen war das!
Als ich schaute und staunte und bewunderte und genoss, bemerkte ich plötzlich zu meinen Füssen einen Hammer Blumenstrauss. Die Komposition hätte vielleicht noch etwas gewagter sein können, aber die Farben..! Das war Hammer.

Blass rosa Blüten waren die Hauptdarstellerinnen:

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Grossschwesterlich begleitet von Blüten in dunklem Altrosa:

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Gehalten vom schwarzen Glanz von Beerenstauden:

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Und geführt vom satten Grün der Blätter:

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Diesen Blumenstrauss anzuschauen war ein stilles Fest!

Ohne jegliche Hoffnung (ich war ja eigentlich nur als Begleitung hergekommen und hatte nicht vor, etwas Grosses zu kaufen) drehte ich das Preisschild um: 92 Franken! Ich verstehe: Die Arbeit und die Kunst ist gross. Aber 92 Franken für etwas ausgeben, das nur ein paar Tage anhält, das erschien mir denn doch für mich zu übertrieben. Dennoch stellte ich mir vor, wie ich ihn wohl die ganzen Tage seines Lebens anschauen und mich freuen würde.

Ich begnüge mich mit der Erinnerung an die Pracht und wie sie mich für ein paar Minuten in festliche Stimmung versetzt hat. Was will ich damit sagen? Ja, ich finde, wir sollen feiern. Zwar erst am 24./25. Dezember und die Zeit davor soll durchaus auch eine Zeit des Verzichts sein, aber die Vorbereitungen darauf sollen auch ein Fest sein! Wenn wir die Weihnachtsvorbereitungen geniessen, dann machen wir das Fest der Geburt Jesu noch grösser, noch freudiger. Ein bisschen zelebrieren schadet nicht. Einfach immer im Auge behalten, dass es um Ihn geht. In Allem ausgerichtet sein auf Ihn, das macht Freude aus.

 

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Ich hab versprochen, das Adventsfoto (vgl. Blogbeitrag vom 1. November) durch den Dezember hindurch auf meinem Blog ein bisschen zu begleiten. Dinge aus dem Herzen ausladen, damit Platz entsteht für Gott. Das ist das Thema der ersten Dezemberhälfte.

Nehme ich mich gleich mal an der eigenen Nase. Bis vorgestern beschäftigte mich eine Meinungsverschiedenheit, die ich mit jemandem hatte. Ich möchte das hier gar nicht beschreiben.
Mitten drin jedoch bemerkte ich, dass es zwei verschiedene Wahrheiten gab. Ein bisschen perplex machte mich das schon und ich kam in einen Konflikt mit mir selber, allein Recht haben zu wollen, meine Wahrheit stimmte ja auch. Abgesehen davon, dass wir den Konflikt dann ganz friedlich lösten, fand da marginal ein Nebenprozess in mir statt: Wie ein Pferd, das sich zögerlich rückwärts hinsetzt bzw. legt, kam ich ganz für mich allein zum Schluss, dass ich nicht immer Recht haben muss, auch wenn ich Recht hätte. Zwar nichts Neues unter der Sonne, aber in diesem Moment ein befreiendes – oder eben im Sinn des Adventsfotos ein ausladendes – Gefühl.

Nicht immer Recht haben müssen – weil es Wichtigeres im Leben gibt..