champions league

Also ich war für Atlético.
Weil ich generell für die Schwächeren bin.

immer

Letztendlich geht es immer um Liebe, um das bedingungslos geliebt Werden. Hinter allem was wir tun oder unterlassen, hinter allem was andere für uns oder jemand tun oder eben nicht steckt immer diese Sehnsucht, dieser Antrieb, der ganz tief in den Menschen eingelegt ist. Prüfen Sie es selber nach. Hinter jedem Schmerz. Zuhinterst jedem Zorn. Hinter jeder Tat. Hinter jedem Gefühl: Liebe und die Sehnsucht danach.

reset

L1000546

Es war halb fünf am Morgen, als ich noch im Liegen einen Text aus der ‚Nachfolge Christi‘ von Thomas von Kempen las. Ein Tag lag vor mir, der schwer abzuschätzen war. Vermutlich sollte er einiges Belastendes bringen. Angst hatte ich nicht, aber gleich beim Aufwachen war ein beklemmendes Gefühl da.

Ich vertiefte mich in den Text. Thomas sprach von Demut. Ich liess das Buch auf die weisse Bettdecke sinken und mein Blick wanderte zum Fenster hinaus auf die Schnee bedeckten Berggipfel, die sich bereits im Licht des Morgens abzeichneten. Demut.

Du bist einfach Veronika. Und du bist Gefängnisseelsorgerin.

Ich merkte, wie sich alle anderen Gedanken nieder senkten fast wie das Buch auf die Bettdecke. Es blieben ich und meine Berufung. Das reichte. Niemand wird das heute angreifen können, weil es simpel ist, weil es unter dem Schutz Gottes steht und weil es wahr ist.
Ich stand auf, betete und begann den Tag in einer überbordenden stillen Freude. Eine immense Leichtigkeit begleitete mich durch den ganzen Tag und ich beendete ihn im Lob auf Seine Stärke, die sich im Schwachen zeigt.

ruh

Ich komme gerade von der Frühmesse und hab da glaub‘ ein bisschen zu innig gesungen:

„Durchflute mein Herz, durchflute mein Herz, Geist Gottes, durchflute mein Herz.
In dir find‘ ich Ruh, mein Alles bist du, Geist Gottes, durchflute mein Herz.“

Auf jeden Fall hat sich jemand vor mir umgedreht. Peinlich..

Ja, was soll ich denn?! In den Gefängnissen ist meine Arbeit unglaublich intensiv, vor allem auf geistlicher Ebene. Aber: Ich habe Ihnen gesagt, dass ich aus dem und dem und dem Grund nicht mehr darüber blogge. Und es gibt nicht viele Menschen, mit denen ich über meine Arbeit reden kann. Also lenke ich meine Hoffnung auf Ihn: „In dir find‘ ich Ruh..“ und hab da heute Morgen halt alles so rein gelegt bzw. rein gesungen, was mich beschäftigt.

(Tut gut.)

was dann?

Was ist, wenn die ToDo Liste erledigt ist?
Wenn es draussen kalt und nass ist und nichts dazu einlädt nach draussen zu gehen?
Wenn man keine Lust auf gar nichts hat?
Wenn alle Freunde besetzt sind?
Wenn man nicht einmal müde ist?
Wenn im Fernsehen nichts Gescheites läuft?
Alle Bücher und Zeitschriften gelesen sind?
Die Cafés geschlossen sind?
Wenn es nichts aufzuräumen gibt?
Wenn es kein Fest, keine Ferien, kein Ausflug zu planen gibt?

Dann steht das Leben irgendwie für einen Moment still.
Was ist dann? Was füllt es dann noch aus?

Das Leben ist bunt.
Aber ohne Gott, was ist das für ein Leben?

Luzern2

pfingstmorgen

L1000537

– Was soll ich heute anziehen?

– Die Barmherzigkeit Gottes.

Den Geist Jesu, aus dem Er lebte. Den Heiligen Geist.
Wie man das macht? Heute ist Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes. Einfach Gott um Seinen Geist bitten. Und dann weiter leben im Vertrauen.

mienen

Ich huschte ganz allein durch das alt ehrwürdige Gebäude. Frühmorgens. Es war noch nicht ganz hell. Gebetsstille herrschte. Selbst wenn irgendwo ein Hüsteln oder Türklicken zu hören gewesen wäre: Die weichen, von Messingstangen gehaltenen Teppiche auf den Treppen hätten es sofort geschluckt.
In den Nischen standen steinerne Büsten, an den Wänden hingen ebenso alt ehrwürdige Gemälde, dunkle Helgen mit schweren Rahmen, selbst bei Tag kaum erkennbar, was darauf abgebildet ist. Nur die Heiligen waren deutlich zu sehen. Oder waren es sonstige Persönlichkeiten? Auch möglich, ich weiss es nicht. Sie starrten mich an: am Morgen so wie sie es am Tag tun würden. Unchristlich wie ich fand. So schaut nicht, wer das Evangelium Ernst nimmt. Schmale Lippen zu einem geraden Strich geformt, durchdringender Blick, fast durchwegs doppelkinnig und perrückenbehaftet. Nein, das waren wohl keine Heiligen.
Mir ging ihre Miene auf den Wecker. Es schien mir als hätten sie nicht das Recht, einen schon früh morgens grundlos so anzuschauen. Immer noch im vorbei Huschen schaute ich jeden an und ahmte seine Miene nach – so als könnte ich ihnen damit aufdecken, was sie hier gerade veranstalteten. Das machte ich so. Einen nach dem anderen.

Bis zum letzten.

Ich blieb beschämt stehen. Es war das Bildnis eines Mannes. Eigentlich sah man nur seinen Kopf von der Seite. Ausgemergeltes Gesicht, nur die Augen waren lebendig. Sie waren auf etwas gerichtet, was ausserhalb des Bildes lag. Sein Blick war angehoben. Sehnsüchtig und erfüllt zugleich. Er schaute Christus. Ja, er schaute seinen Gott.

Ich gäbe alles um seinen Glauben nachahmen zu können.

muttertag

2016-03-19 16.00.05

Danke allen Müttern! Danke dass ihr eure Kinder auf ihrem Weg ins Leben hinaus begleitet, sie stützt und fördert. Ihnen Wurzeln und Flügel gebt. Und für sie betet – das ist in manchen Situationen das Einzige, das ihr für eure Kinder tun könnt. Das Einzige, aber das Mächtigste.

auffahrt

Da kommt mir zu diesem Thema gleich noch etwas in den Sinn:

Als ich in einem Sommer einmal durch das Safiental streifte, hoch oben in Mitten von saftigen Wiesen, begegnete ich einem Touristen. Ein Wanderer. Er sass am Wegrand und versuchte die Hosenstösse seiner Wanderhose über die Wanderschuhe zu streifen. Offensichtlich eine mühsame Angelegenheit; die Bemühungen waren jedoch schon so weit fort geschritten, dass er es vor zu ziehen schien, die Sache durch zu ziehen.
Nun was sagt man in solch einer Situation? Ich musste mir ein Lächeln verbeissen und flüchtete mich in ein freundliches „An heissa Tag, hä?“ Er schaute verwundert auf, sichtlich überrascht an diesem einsamen Ort eben nicht einsam zu sein. Und dann noch in Gesellschaft einer Schwester. Das lenkte ihn völlig von seinem Vorhaben ab, seine Hosen zu kürzen. Er verharrte in seiner leicht verrenkten Position, sammelte sich einen Augenblick und begann dann ein lockeres Gespräch. Wer ich denn sei und all die Sachen.

– Eine katholische Freelance Schwester.

(kurzes Überlegen)

– Frilänz? Aaah: von ILANZ, meinen Sie! (Anmerkung der Redaktion: In Ilanz – unweit vom Safiental – gibt es ein Frauenkloster.)

– Äh, nein.. Nicht von Ilanz. Sondern Freelance.

(erneutes Überlegen)

Ich sah, dass es keinen grossen Sinn hatte und umschrieb schmunzelnd meinen Stand mit anderen Worten, bevor ich mich schliesslich verabschiedete und meinen Weg wieder aufnahm.

Tja, so gibt es halt verschiedene Bezeichnungen. Schwester Nichtsnutzia ist auch ein herziger Name, mit dem ich schon beehrt wurde. Gefällt mir noch. Besonders heute an Christi Himmelfahrt (Auffahrt): Er ist in den Himmel aufgefahren und wir haben auf eine gewisse Art den Auftrag das weiter zu führen, was Er begonnen hat. Das bedeutet lieben, lieben, lieben. Hinein butternd. Was Er dann daraus macht, ist Seine Sache. Unnütz sind wir dabei nicht gerade, aber es ist nicht unsere Sache zu ernten, sondern nur auszusäen. Und das reichlich. Butternd eben.

L1000495

demut

Eigentlich habe ich es nicht so gern, wenn jemand, der einen eigenartigen Eindruck auf mich macht, direkt hinter mir steht. Das hat vielleicht mit meinem Beruf als Gefängnisseelsorgerin zu tun.
Auf jeden Fall stand ich am Samstag in Lugano in einer Schlange an der Kasse. Hinter mir ein älterer Mann, der vor sich hin brummelte und merkwürdige Geräusche von sich gab. Ich warf einen kurzen Blick auf ihn und schätzte die Situation ein. Harmlos schien mir, ich drehte mich wieder um und widmete mich dem, was vor mir geschah.
Da kam eine Verkäuferin und lud den Mann freundlich dazu ein, seine Ware an der Self Scanning Kasse zu bezahlen. Er erwiderte: „No, non sono capace.“ – Nein, dazu bin ich nicht fähig.

Vielleicht bin ich zu sentimental. Vielleicht auch nicht. Seine Antwort berührte mich stark. Da war ein Mann, der es bestimmt nicht leicht hat im Leben. Und er konnte so freimütig zugeben, dass er nicht fähig war, mit dem Scan Gerät umzugehen (abgesehen davon: Ich habe mich auch noch nie damit befasst, aber das hat andere Gründe; ich bevorzuge den direkten Kontakt mit Menschen).
Demut sprach aus seinen Worten. Eine faszinierende Eigenschaft, von der ich gerne ein grösseres Stück abbekommen hätte (ja, ich weiss: Ich muss selber daran arbeiten). Demut – ob man nun religiös ist oder nicht – hat ihren Ursprung immer in Gott. Etwas Demütigeres als Gott gibt es nicht. Und es ist so etwas herrlich Befreiendes!

A propos Demut und dergleichen, also eigentlich vor allem von dem Befreienden:
Vor etwa zwei Wochen bekam ich einen herzigen Anruf von einer Dame, die einen Termin mit mir vereinbaren wollte. Sie stolperte über den Begriff der Freelance Schwester und bat mich, es zu buchstabieren. Noch bevor ich ihrer Aufforderung nach kommen konnte, kam sie mir zuvor und begann mit dem Buchstabieren:

F – R – E – E – L – A – N – D..

Das war so herzig, dass ich lachen musste: Freeland Schwester – Freiland Schwester. Fast wie Freiland Huhn! Ja, also damit könnte ich mich anfreunden. Viel fehlt schliesslich nicht mehr.