innenraum

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Die Kapelle wirkte. Noch nie habe ich Architektur so spürbar erlebt. So wirksam. Andächtig setzte ich mich genau in die Mitte des Raumes. Es ging nicht anders. Ich musste genau da sitzen. Der Raum um mich herum war Architektur gewordenes Gefühl. Da sass ich in meinem Innern.

Und staunte.

Und war.

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Vor mir das weiche, mütterliche empfangen Werden. Hinter mir das Stärke gebende aufeinander Zulaufen der beiden aus der Runde kommenden Linien. Alles um mich herum strebte nach oben. Nach dem Himmel. Nach Gott. Es riss empor in gleichmässiger, steter Ruhe. Oben flutete Licht den Raum und liess nicht zu, dass der Blick abschweifte. Unnötig geworden war jede Ablenkung. Kein Fenster, keine Blicke von draussen. Nach draussen. Das Dach als Richtung gebendes behütet Sein. Geborgenheit vermittelnd und Förderung auf das Gute hin.

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Ein Innenraum voll Leichtigkeit. Leichter, kaum merklicher Schwung in den klaren Linien. Am Leben geschliffene Kindlichkeit. Unversehrt. Purheit vielleicht.

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Nur das Allerheiligste fehlte. Mir.

Alles war bereit für Ihn. Ich war bereit.

Und Er kam.

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„Lobet den Herrn, Himmel und Erde, lobet den Herrn alle Geschöpfe, lobet den Herrn alle Nationen.“

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Kapelle Sogn Benedetg. Architekt: Peter Zumthor.

montag

Okay, das vom letzten Freitag war noch relativ einfach: nach einer getanen Woche an Gottes Hand zurück schauen.

Morgen aber ist Montag, meine Lieben! Da sieht’s schon ein bisschen anders aus. Eine Woche liegt vor uns. Vielleicht wissen wir schon, dass heikle Gespräche anstehen, dies und jenes kompromisslos erledigt werden muss, Druck auf uns ausgeübt wird oder uns privat etwas belastet, das nicht so schnell aus dem Weg geräumt werden kann.

Was nun? Das Vertrauen von letzter Woche hinüberziehen in die neue Woche. Bewusst an Seiner Hand diese neue Woche beginnen.

Führe mich an deiner Hand.
Lass mich immer in dir geborgen sein.
Ich möchte deinen Willen tun, denn du bist gut. Hilf mir ihn zu erkennen.
Fange mich auf, wenn ich falle, und hilf mir los lassen zu können im Wissen, dass du mein Alles bist.

Das hat  n i c h t s  mit Think Pink zu tun.

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dankbar

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ausruhen

Er macht sich so schwach mir – einem Menschen – gegenüber. Er zeigt rückhaltlos Sein Innerstes, in blindem Vertrauen, dass ich Seine Offenheit nicht missbrauche. Er denkt nicht einmal daran, dass ich so etwas tun könnte. Dass es mir frei stünde. Lässt nur Seinen Kopf auf meine Schulter sinken und kommt zu mir. Worte sind nicht nötig. Ich muss auch nicht alles verstehen. Nehme Ihn einfach auf mit allem, was ich bin und zu geben habe. Doch was Er braucht ist nur mich. Sein Leiden ist immens. Der Gekreuzigte. Aber Er kann ausruhen. Und Er teilt es mit mir. Weil Er das möchte. Er löst Seine Probleme nicht allein, macht alles mit sich selber aus und tritt dann aus verborgener Schwäche in die Stärke hinaus. Nein, Er teilt. Weil Er mich liebt.

drüben

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Ich war gerade dabei, mein in vier Teile zerlegtes Alphorn ins Etui zu versorgen. Gestern Abend brachten 16 AlphörnlerInnen unserer Gruppe den BewohnerInnen eines Altersheims ein Abendständchen; sanfte Naturklänge in den schönen Sommerabendhimmel hinein. „Beim Wegkreuz“, „I dr Tössegg“, „Von der Alpschelenalp“, „Abendruh“ und wie sie alle heissen.

Während die meisten BewohnerInnen sich nach Ende des Konzertlis nach oben in ihre Zimmer begaben, näherte sich mir eine reizende alte Dame mit Rollator, sichtlich bewegt. Sie wollte mir etwas sagen, fand aber vor lauter Gefühle kaum den Anfang.

– „Sie sind nicht nur eine hübsche Schwester. Sondern sie sehen geradezu aus wie eine Madonna!“

Das war herzig. Ich erwiderte lachend:

– „Ou, da fehlt mir aber noch viiiiiiel!“

Irgendetwas lag in ihren Worten, in ihrem Blick. Ich weiss nicht genau, wie das zu beschreiben ist. Vielleicht eine Art Weisheit, das los lassen Können eines Menschen, der dem immer näher kommt, was man das Ewige Leben nennt. Mir schien, als läge – gepaart dazu – in ihren Augen schon etwas von dem, was sie erwarten wird und was sie erwartet. Die Grenzen von hier und drüben waren verwischt, hatte ich für einen Augenblick den Eindruck.

Wunderschön eigentlich.. Mit jedem Tag dem Himmel näher zu kommen. Nicht zu sehr und einzig und allein auf das Alter und das Altern uns hinkümmern, sondern darüber hinaus schauen auf das Ewige Leben. Wir kommen unaufhörlich diesem grossen einen Augenblick näher, in dem wir Gott sehen werden! Egal welches Alter wir haben: der Moment kommt. Eines Tages wird Realität, woran wir so oft denken, worauf wir hinleben, weswegen wir in manchen Momenten auf so Vieles verzichten oder auch ertragen müssen. Wow, ich freue mich!

 

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freundschaften

Kürzlich las ich, dass durchschnittlich 50% der Menschen, die wir als unsere Freunde betrachten, dies umgekehrt nicht so sehen. Eigentlich erschreckend, wenn das denn so stimmt.

Da hat man Freunde, man lernt sich kennen, die Beziehung wächst, wird tiefer, vielfältiger, die gemeinsamen Erlebnisse werden zu Erinnerungen, die immer wieder geteilt werden können. Freunde darf man jederzeit anrufen, man kann ihnen das Herz ausschütten, sie sind für einen da und man ist umgekehrt genauso für sie da. Man weiss, wie es ihnen gerade geht, was sie beschäftigt, worüber sie sich aufregen und worüber sie gestern lachen mussten. Freunde verstehen einen, sie sehen uns nicht so, wie die meisten anderen uns sehen; man darf in ihrer Gegenwart so sein, wie man ist, ohne ständig kontrollieren zu müssen ob man peinlich oder sonst was ist.

Und dann muss man erfahren, dass wir genau für diese Freunde keine Freunde sind? Naja, ich weiss nicht.. Aber es kann schon passieren. Das sind Momente, in denen man die Welt nicht mehr versteht. Etwas, das man für eine absolute Konstante im eigenen Leben betrachtet hat, fällt plötzlich weg wie eine Zeltstange. Alles andere wird unwichtig, weil einem vermittelt wurde, dass das, was für uns wichtig ist, für genau diesen anderen Menschen eben nicht so ist. Die Zuneigung, die Aufmerksamkeit, das sich Kümmern erschlafft für einen Moment, weil es sinnlos geworden zu sein scheint. Die Verletzlichkeit, die man vertrauensvoll und unbedenklich zeigen konnte, fällt ins Leere. Und wir selber mit.

Ja, das kann passieren. Das kann jeden treffen. Dann gilt es wohl zu schauen, was noch Sinn macht. Vielleicht liegt dem allem ein Missverständnis zu Grunde, das man klären kann. Vielleicht muss man auch über die eigenen Bücher gehen und schauen, wo man denn blind war und daraus lernen. Vielleicht ist es sogar gut, ein bisschen Distanz zu nehmen.
Aber ganz sicher nie falsch ist es weiter zu lieben. Liebe ist nie falsch. Vielleicht braucht es dann ein bisschen eine grössere Portion Selbstlosigkeit, vielleicht muss sie sich anders ausdrücken als bisher. Und wenn die Liebe, die man schenkt, nicht von genau da zurück kommt, dann bleibt uns immer noch das Wissen und das beharrliche Vertrauen, dass Gott uns eigentlich mit Liebe nur so überschüttet auf Seinen ganz besonderen Wegen.

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zelten

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Über den 1. August war ich zelten. Mir gefällt zelten: 24 Stunden draussen sein, ein eigenes kleines Heim haben, vor dem Zelt sitzen und beten und lesen, mitten im Sommer Fondue essen, die Gegend erkunden, mit dem Tageslicht aufstehen und beim Eindunkeln schlafen gehen zu können. Slow down.

Nix verkehrtes Zelt Aufstellen: Stickworte ‚Üben‘ und ‚gesunder Menschenverstand‘.
Nix Rückenweh: Mit einem guten Mättali ist das gemacht.
Nix unangenehme Feuchtigkeit: Ich habe ein Baumwollzelt.
Nix nuschen Müssen im dunklen Zelt: Mein Zelt ist weiss und hell.
Nix laute Nachbarn: Es waren alle lieb.
Nix unhygienische Duschen: Mit ein bisschen Unkompliziertheit stört das nicht.
Alle Einwände entkräftet?

Vor allem gefällt mir am Zelten die Einfachheit. Meinte ich zu Anfang meiner Zeltlerei mich gut ausrüsten zu müssen, so habe ich das alles mittlerweile auf ein angenehmes Minimum reduziert und komme bestens damit aus. Die Sachen sind schnell gepackt, ins Auto geladen und schwupp bin ich weg. Es braucht wirklich nicht viel. Daraus resultiert ein befreit Sein von allem Unnötigen und damit ein wahr Nehmen dessen, was ist. Um einen herum und in einem drin. Es gibt Freiraum, in dem das Sein vorherrscht vor dem Haben. Das bedingt allerdings, dass man sich nicht an das Haben klammert, womöglich aus Angst vor dem puren Sein. Das wiederum ist in seiner Fülle nur möglich, wenn es in Gott aufgehoben ist.

Wenn ich zuschaue, wie Wohnwagen austariert und Geschirrarmeen aufgetischt werden müssen, Wasser geholt und entsorgt werden muss, Velos ausgepackt werden, um die Bierflaschen auf der in 50m Luftlinie entfernten Campingdeponie zu entsorgen, dann sind das auch Rituale, die dazu gehören und helfen, sich an einem Ort heimisch zu fühlen. Ich habe aber auch den leisen und zugegebenermassen aus einem ungewollt mitgehörten Gespräch schlussgefolgerten Verdacht, dass all diese Dinge vor allem dazu dienen, die Zeit vorbei streichen zu lassen. Nicht um der Erholung Willen sondern mangels sinnvollen Alternativen.

Es braucht meiner Meinung nach nicht unbedingt immer Alternativen. Man kann auch die ganz normalen Dinge tun mit einer inneren Ausgerichtetheit auf Gott. Dann erhält jede Tätigkeit plötzlich eine andere Dimension. Leere verschwindet. Der Begriff der Erholung wird neu definiert. Nicht nur beim Campen.

1. august

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Die ganze Schweiz feiert den 1. August! Überall Festwirtschaften, Gegrilltes, rot/weisse Fähnchen und Feuerwerk. Schön! Ich feiere sehr gerne 1. August.

Das Jahr hat 365 Tage und man könnte an jedem Tag irgend etwas feiern. Jeder Tag ist mehrfach besetzt mit Gedenken, Erinnerungen, sowohl internationalen als auch nationalen und persönlichen. Für mich ist der 1. August ganz besonders speziell, doppelt besetzt sozusagen. Ein Tag, der mich jedes Jahr in Festlaune versetzt und an dem ich die Verbundenheit der SchweizerInnen besonders geniesse. Und gleichzeitig erinnert mich dieses Datum an den schlimmsten Tag meines Lebens.

Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen – gepriesen sei der Herr, sagt Hiob in der Bibel. Das hat nichts zu tun mit dieser viel gerühmten, scheinbar heiteren, gleichmütigen, aber in Wahrheit beziehungs- und lieblosen Gelassenheit, die anzustreben propagiert wird und mit der ich nichts, aber absolut gar nichts anfangen kann. Sie ist irreführend.
Nein, es hat im Gegenteil zu tun mit Emotionen, mit wahrhaft Gelebtem, mit Extremen, mit Traurigkeit, mit Freude, vielleicht mit Schuld und Vergebung. Wir sind so gebaut, hallo! Den Frieden finden wir nicht im Abdrängen oder in Gefühllosigkeit. Der Friede in allem, was uns beschäftigt, ist einzig in unserer Beziehung zu Gott, zu Jesus Christus und in allem, was Er uns schenkt, zu finden. In allem, was wirklich von Ihm kommt. Und diese Suche ist nicht einfach – eben weil sie durch all das Gelebte hindurch geht. Aber eben mit Ihm.

Und jetzt wird gefeiert!