vogelnest

Seinem Blick nach hatte ich ein Vogelnest auf dem Kopf. Da mir nichts Derartiges bekannt war, beschloss ich stillschweigend und vornehm, dies für den Moment nicht nachzuprüfen, sondern wandte mich, nachdem ich die Kommunion empfangen hatte, vom Priester ab und ging zurück an meinem Platz in einem der hintersten Bänke der Kathedrale.
Als ich mein Gebet beendet hatte und aufstand, näherte sich von hinten vorsichtig ein junger Mann und wies mich mit einer scheuen Handbewegung und nur andeutend darauf hin, dass mit meinem Schleier etwas nicht in Ordnung sei. Da griff ich nach oben. Mehr muss ich wohl nicht erklären.
Das aus Trödeleien resultierende endzeitliche Gehetz am ganz frühen Morgen mit der wenig erbaulichen Aussicht, mein Auto in nicht dafür vorgesehener Zeit von Eis und Schnee befreien zu müssen, bevor ich über die Autobahn nach Chur in die Kathedrale fuhr, hat das Seine dazugetan, dass sich mein Schleier in wenig kunstvoller Weise auf meinem Kopf aufgetürmt hatte, anstatt in braven Falten auf die Schultern zu fallen.

Nun, in den folgenden Tagen mache ich einen Blitzbesuch in einem Land, in dem man den Schleier sicher nicht oben trägt, aber hinten und mitunter auch vorne. Der Frommbeeren Blog macht also eine kleine Pause, nur um darauf hin mit farbenfrohen Fotos wieder zurück zu kehren. Bis dann!

beende den satz

Unbenannt-1

stecknadelgross

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Das WhatsApp kam einfach nicht, das SMS auch nicht, das ich zur Sicherheit nachgedoppelt hatte, das Mail wurde nicht beantwortet, der ersehnte Telefonanruf kam auch nicht. Alle Stricke schienen zu reissen für dieses eine Mal.

Suche.

Kein Ort, wohin man sein Haupt legen könnte.

Es kehrte eine eigenartige Ruhe ein. So wie es in einer Lawine sein muss, wenn sie zum Stillstand gekommen ist. Eine loslassende Ruhe.

Da wo das Nichts war und blieb, war Er plötzlich mit seiner Ruhe. Stecknadelgross, nicht mehr. Matt glänzend wie Perlmutt. Und tief wie ein weiches Kissen.

Aber nicht grösser als eine Stecknadel.

Es reichte.

on the rocks

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Eigentlich wäre ja vorgesehen gewesen, jetzt im Januar mit den Frommbeeren to go weiter zu machen, nachdem das Adventsfoto als erste Frommbeere to go im Dezember so guten Anklang gefunden hat.

Aus den Frommbeeren to go werden im Moment Frommbeeren to go on the rocks: Ich muss sie auf Eis legen (der Blog jedoch läuft unverändert weiter). Warum: In den letzten Wochen beschäftigte mich in einem der Gefängnisse eine Situation, die bis heute andauert und belastend ist – mir fehlt schlichtweg der nötige kreative Schwung, um mit den Frommbeeren to go zu starten; sie sind bis auf Weiteres verschoben. Aber ich werde Sie informieren, sobald sie serviert werden können, versprochen.

eines tages

Ein neues Jahr. Werde ich ein weiteres Jahr die Menschen geniessen dürfen, die mir am Herzen liegen oder wird uns der Tod für eine Weile oder immer trennen?

Und Jesus? Ich habe Ihn noch nie gesehen. Jetzt komme ich Ihm um ein weiteres Jahr näher. Eines Tages werde ich Ihn sehen, Ihm tatsächlich begegnen: Er, dem ich mein ganzes Leben verschrieben habe – ohne ihn je ein Mal gesehen zu haben. Dann werde ich Ihn zum ersten Mal sehen und nie mehr von Ihm getrennt werden.

Was heisst das: Ihn kennen? Er ist es, mit dem ich mein Leben teile. Kenne ich Ihn? Ja und Nein.
Aber Er ist mir vertraut. Über das kann man nicht nachdenken, das muss man leben: Vertrautheit. Das fühlt man – manchmal ohne zu fühlen. Das geht über Denken hinaus und doch ist es innerlicher als mein Innerstes. Es ist da, ohne dass ich es fassen könnte. Es ist nicht bei mir, es ist zwischen uns. Ich bin Ihm vertraut.

Eines Tages, eines Tages werde ich Ihn tatsächlich sehen.. Es wird Realität werden. Für immer. Vielleicht in diesem Jahr, vielleicht in 40 Jahren. Aber eines Tages wird es sein.

neujahr

neujahr

 

Ihnen allen ein gutes und gesegnetes neues Jahr!

Schwester Veronika