engel

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Gestern bekam ich ganz spontan einen kleinen Engel geschenkt. Alt ist er, sehr alt. Und süss. Er hat zwar keine Haare mehr, ein Fuss fehlt ihm, das Kleidli ist zerrissen, die Flügel sind verloren gegangen und auch sonst macht er einen etwas lädierten Eindruck. Aber er ist ein Engel und ich habe ihn sofort ins Herz geschlossen.

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Ich habe ihn von jemandem geschenkt bekommen, der nicht weiss, wie viele Tage oder Wochen ihm noch bleiben; dem Mann geht es gut und nicht gut – er legt sein ganzes Leben in die Hände Gottes.

Ich war berührt. Dieser Engel wird mich immer an diesen Menschen mit diesem grossen Herzen erinnern. Und wenn ich das Engeli anschaue, muss ich an das Leiden denken und an die Schmerzen, die der Mann gerade durch machen muss.

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Beten wir für alle Menschen, die in irgend einer Form leiden müssen. Damit sie die Kraft haben, ihr Leid Gott zu schenken und Sein Dasein erfahren.

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Interview

Auf www.katholisch.de ist gestern ein Interview erschienen, in dem ich ein bisschen hinter die Kulissen meines Lebens blicken lasse.

www.katholisch.de

nacht

Gestern fuhr ich von einem Besuch im Spital nach Hause. Es war gegen 21Uhr30. Am Weg lag die Justizvollzugsanstalt Realta: Einige der Fenster waren erleuchtet, man sah durch die Gitter das blaue Schimmern von Fernsehern, die Werkstätten lagen im Dunkeln, während ich die hellen Fenster der Zentrale zu erkennen glaubte.

Immer wenn ich vorbei fahre, bitte ich um Gottes Segen für die Anstalt, für alle Menschen, die darin leben und arbeiten, ihre Familien, ihre Freunde, die Opfer. Er soll die Felder segnen und die Tiere in den Ställen, die Beziehungen der Menschen untereinander und gestern bat ich für alle um eine gesegnete Nacht.

Wenn ich auch meine Sorgen um die Einzelnen nicht ablegen kann,  Schicksale, Mutwilliges, Abgründiges, Krankes, Wunderbares und Verstricktes nach Feierabend nicht einfach hinter mir lassen kann, so senkt sich doch Gottes Segen wie ein feines, leichtes Tuch über alles. Spendet Wärme, kühlt wo es nötig ist. Er ist nicht schwer, drängt sich nicht auf, aber er legt sich um wie Geborgenheit. Still und verbindend.

valentinstag

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Soeben geschrieben, einfach so. Nicht perfekt, langsam, aus anbetender Liebe.

Und niemals soll es eintrocknen.

gegenlicht

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Dieses Foto erzählt vom Licht, nicht wahr?

Ich bin das Licht der Welt.
Joh 8,12

genommen

Ich dachte, jetzt käme ein Moment, wo man für mich schauen würde. Ein paar Minuten ganz für mich.
Kaum hatten sie begonnen, wurden sie mir genommen. Nicht absichtlich; niemand hat etwas gemerkt. Ich zog mich zurück und auch das schaffte ich, ohne dass es irgend jemandem unangenehm wurde.

Es war wie wenn man in einen tiefen, weichen Sessel hinein sinken darf und dabei einen Seufzer ausstösst – und dann muss man gleich erneut Luft holen um aufzustehen und weiter zu machen.

Ich fuhr also nach Hause und die Welt war irgendwie traurig. Und doch: Im nicht Haben ist Jesus vielleicht am Greifbarsten. Im Nicht des Einen das Alles des Anderen finden. In der Leere dem plötzlich begegnen, der die Leere ausfüllt ohne dass sie weg wäre. Wie muss Er mich lieben!

zu kontrollzwecken

Ich sei eine, die noch viel vertrage, sagte der Mitarbeiter gestern mit leichter Anerkennung in der Stimme.

Okay gut, das war im Gefängnis.

Was mir aber definitiv den Nuggi raus gehauen hat, was ich überhaupt nicht vertrage, war etwas AUSSERHALB des Gefängnisses, nämlich als ich gestern auf der Autobahn nach Hause fuhr.
Auf einer Wiese direkt neben der Autobahn waren zwei Männer gerade dabei, ein rot-weisses Gleitschirmsegel vom Wind aufblasen zu lassen. Ich freute mich einen Augenblick lang über diesen Vorboten des Frühlings, bis ich sah, woran es befestigt war. Nein, es stand kein Mensch in den Seilen, sondern das Segel war an einem grossen hölzernen Wegkreuz befestigt – offenbar wollte man das Segel auf seine Tauglichkeit prüfen.

So etwas, meine Damen und Herren, ist absolut respektlos! Man benutzt nicht geweihte Dinge für andere Zwecke! An so einem Kreuz ist Einer gehangen, der hat Sein Leben für jeden von uns hin gegeben. Sein Blut ist daran herunter geflossen und im Sandboden versickert. Er hat daran gelitten über Stunden und hat nicht eine einzige Sekunde davon verdient. In Seinem Denken und Handeln gab es nur uns, mit jeder Faser Seines Lebens hat Er für uns gekämpft um uns heraus zu reissen aus etwas, dessen Grausamkeit und Schwärze und absoluter Bosheit wir uns nicht einmal annähernd vorstellen können.

Er hat uns geliebt! Das Kreuz ist das Zeichen der Liebe!

Und wir? Wir hängen ein Gleitschirmsegel daran. Zu Kontrollzwecken.