brandneue website

Man entwickelt sich ja so, nicht wahr? Also, ich mich auch und damit auch die Frommbeeren. Und diese ziehen sozusagen um: In den letzten Wochen ist mit viel Herzblut eine neue Website entstanden, die diese hier ersetzt!

Nun befürchten vielleicht einige von Ihnen, dass sich alles verändern wird: Nein. Die neue Website sieht zwar ziemlich anders aus, aber es gibt immer noch einen Blog, auf dem im Normalfall an jedem Wochende ein neuer Post erscheinen wird, der zudem auch noch kommentiert werden kann.
Die neue Seite ist klarer im Design, übersichtlicher, reduzierter und entspricht damit meinem inneren, geistlichen Prozess – meiner Freundschaft mit Jesus, die sich mehr und mehr auf das Wesentliche konzentriert.
Neu ist ebenfalls, dass alle Fotos aus dem Blog gekauft werden können, falls Ihnen eines mal besonders gefällt oder Sie an etwas erinnert.
Die neue Website hat wohl noch die eine oder andere Kinderkrankheit, aber ich bitte in dieser Sache um Nachsicht und Geduld: Ich habe die Website von A bis Z selber gestaltet.

Falls Sie einen Blogbeitrag der vergangenen Monate und Jahre nochmals lesen möchten: www.frommbeeren.ch bleiben noch bis Anfang November 2017 aufgeschaltet.

So, nun möchte ich Sie nicht länger auf die Folter spannen: Schauen Sie sich die die Juni-Frommbeeren und dann die neue Website an, viel Vergnügen!

schwesterveronika.com

entstauben

Die Kassierin an der Coop-Kasse schaute mich an: Ich glaube, sie hat generell keine Freude am Anblick einer katholischen Schwester. Naja. Ich hatte nur zwei gestern auf meiner Einkaufsliste vergessen gegangene Dinge auf das Förderband gestellt und würde sie nicht lange mit meinem Anblick stören müssen.

Sie schaute mich an, ungeduldig, ich schaute sie an, stumm fragend warum ungeduldig. Die zu bezahlenden Sachen waren ja da. Dann realisierte ich: Die Dame ordnete meine Ware dem Kunden hinter mir zu, einem Strassenarbeiter in orangen Hosen und oben ohne, schliesslich war es ein heisser Tag.

Zwei Brote und ein Sixpack Weissbier.

Mit einem lustigen Spruch versuchte ich noch, ihre Stimmung aufzuheitern. Vergebens.

Vielleicht lohnt es sich in einer ruhigen Minute, das eigene – und damit meine ich uns alle – Bild von katholischen Schwestern zu überdenken, zu entstauben und mit der Realität abzugleichen: Ja, auch diese können mal einen Sixpack Bier kaufen, aus welchen Gründen auch immer.

jva sennhof

Tele Südostschweiz strahlte in den vergangenen Tagen eine Dokumentation über die Justizvollzugsanstalt Sennhof in Chur aus, in der ich arbeite. Sie begleiteten uns alle einen Tag lang. Vielleicht interessiert es Sie, wie so ein Gefängnisalltag aussieht (Pfad: suedostschweiz.ch > Im Fokus >Einen Tag lang im Gefängnis):

suedostschweiz.ch

JVA Realta

Auf der offiziellen Website des Amts für Justizvollzug des Kantons Graubünden finden Sie neu eine Videodokumentation, welche einen kleinen Einblick in den Gefängnisalltag der offenen Justizvollzugsanstalt Realta zeigt.
Einerseits stellt ein Insasse die Anstalt vor (unter anderem die Seelsorge), andererseits sehen Sie auch diverse Interviews mit MitarbeiterInnen, u.a. auch mit mir (Pfad: JVA Realta > Filmportrait > Seelsorge > Zur Karte > Kath. Seelsorgerin Sr. Veronika).

www.gr.ch

dreifach

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Diese schönen Trachten am Jodlerfest in Brig.. ich kam aus dem Bewundern nicht heraus! Werktagstrachten, aber auch Sonntagstrachten. Und warum diese? Um am Sonntag Gott zu ehren.
Warum also nicht mal darauf achten, am Sonntag besonders schön gekleidet zu sein, wenn man in die Kirche geht?

Der Pfarrer in der Kirche in Brig hat übrigens gesagt: Wenn Singen zweifach Beten ist, dann ist es Jodeln dreifach. Schön, nicht wahr?

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gemeinschaft

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Nun doch ein kleines zurück Blicken: Vor einer Woche war das Eidgenössische Jodlerfest in Brig – und ich war dabei.

Am Samstag Abend trat der berühmte Jodlerklub Wiesenberg auf und vor, nämlich vor die Jury in der Kollegikirche. Die Kirche war gestossen voll. Meine AlphornkollegInnen waren bereits unterwegs zum Pizza Essen, aber ich wollte diesen Jodelchor unbedingt noch schnell und einmal live erleben und schlüpfte in die Kirche, zwischen den Leuten hindurch und fand hinten ganz an der Seite ein kleines Plätzchen, wo ich stehen konnte.

Es dauerte noch eine geraume Zeit, bis die Vortragsserie der JodlerInnen begann und die Wisiberger dann irgendwann mitten drin auftraten. Ich stellte meine Tasche auf den Boden und nahm eine bequeme Stellung ein. Um mich herum schwatzten die Leute, ich grüsste da und dort Bekannte – solche Jodlerfeste sind klein, obwohl an diesem Wochenende 150’000 BesucherInnen den Weg nach Brig im Wallis gefunden hatten.

Direkt vor mir stand eine Walliserin, die gegen 60 zuging; ihr Dialekt war unverkennbar. In ein schlichtes schwarzes T-Shirt gekleidet, Dreiviertelhosen und mit Sandalen an den Füssen, gepflegte Zehennägel. Ihre Frisur war praktisch kurz, die Haare fast schwarz. Auch sie hatte eine Körperhaltung eingenommen, die sich auf ein längeres Warten einstellte.
Neben ihr stand ein junger Mann. Ich konnte nicht so recht einschätzen, woher er kam. Seine Augen von wässrigem Hellblau und gross, die Haare dunkel. Er grüsste mich freundlich, blieb den Rest der Zeit jedoch ruhig.
Offenbar stand er in irgendeiner Beziehung zur Walliserin neben ihm. Sie jedenfalls plauderte auf ihn ein. Wie sie es tat, faszinierte mich. Ich stand unmittelbar hinter den beiden und bekam alles mit. Eigentlich hörte ich den beiden nicht zu, das kann ich; ich weiss nicht, worüber sie sprachen. Aber ich beobachtete diese beiden Menschen.

Ihre Art zu sprechen sprach mir von der Walliser Mentalität des Berichtens. Da war eine Frau, die gewohnt war, mit anderen Frauen auf einen Schwatz zusammen zu kommen – in der südlichen Hitze des Wallis, auf seinen Plätzen, Bänken vor den Häusern, an den Zäunen seiner Hausgärten, in den rauen Wintern hinter dicken Mauern und kleinen Fenstern. Die Art, wie sie auf einem Bein stand, den Ellbogen auf der Hüfte abstützte und der Rücken sich bequem bog, war sprechender Ausdruck eines sich Solidarisierens mit dem Gegenüber, mit Gleichgesinnten. Es ist dieses faszinierende sich Einschwingen auf das Gemeinsame.
Der junge Mann neben ihr war offensichtlich keine der Frauen, mit denen sie sich wohl normalerweise austauschte. Aber sie nahm ihn unter ihr Berichten und er wehrte sich nicht dagegen. Im Gegenteil: Geduldig wandte er sich ihr immer wieder zu – manchmal mit einem leisen, Rücksicht nehmenden Luft Holen -, nachdem sie eine ihrer seltenen Pausen einlegt hatte um die Umgebung nach Bekannten abzusuchen und dann wieder ein neues Thema aufgriff.

Es war eine wunderschöne Studie von etwas ganz Heimatlichem. Wie sie ihn – zwar mangels einer Alternative, aber doch von Herzen – aufnahm in die Gemeinschaft, die zu bilden sie täglich gewohnt war. Eine Gemeinschaft, die es während Jahrhunderten gebraucht hatte um in den Bergen zu überleben. Dieses sich Zusammenschliessen der Dorfgemeinschaft, im Speziellen der Frauen in ihren Alltäglichkeiten. Es war ein Einholen von jemandem Neuen um ihn einzugliedern, sei es damit er nicht allein bleiben musste, sei es, damit die Gemeinschaft nicht gefährdet war durch jemanden, der sich über die anderen erhob oder sich absonderte. Diese Gemeinschaft braucht es so heute nicht mehr. Und dennoch lebt sie weiter im Wesen der Walliser, in ihrem Blut.

Was soll ich sagen.. Ich stand da und beobachtete die schöne Szene über eine Stunde lang. Vielleicht täuschte ich mich auch in meinen Beobachtungen, sie sind sehr subjektiv. Wichtig war für mich jedoch dieses Gefühl von Heimat und Kultur ganzer Jahrhunderte und dieses nonverbale Hereinholen und Eingliedern des jungen, stillen Mannes in die währschafte Gemeinschaft dieser Frau und dessen, was sie symbolisierte. Es gab mir das Gefühl von ganz tiefen Wahrheiten, die gegründet sind im Verhältnis Gottes zu den Menschen. Diese Aufnahme des Menschen in die Dreifaltigkeit.
Der Vergleich mag hinken, wenn man die Bodenständigkeit und Inpflichtnahme und vielleicht auch den Druck bedenkt, den eine Dorfgemeinschaft auf einen Einzelnen ausüben kann. Aber dieses liebende Aufnehmen, das selbstverständliche herein Holen und die gütige Annahme eines Menschen, so wie er ist, das hat ganz bestimmt mit dem Lieben des dreifaltigen Gottes zu tun. Da bin ich mir sicher.

Er ist so und diese Frau an diesem Ort in dieser Kirche in Brig in ihrem Tun ein Abbild von Ihm.

L1020089